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Cay von Fournier: Der perfekte Chef. Campus Verlag 2006 Perfectly You! Jüngst brachte meine beste Freundin ein perfektes Kind zur Welt. Woher ich das weiß? In der Tat war man sich über diesen Umstand nicht von vorneherein einig. Doch die Hebammen kamen herbeigelaufen und auch die Säuglingsschwestern bestaunten das zarte Wesen. Näschen und Lippen von der Mutter, gebogene Wimpern vom Vater. Als das Kind nach wenigen Tagen nachts durchschlief, zweifelte niemand mehr an seiner Vollkommenheit. Dafür etwa steht das Wort perfekt, für etwas Vollendetes, Abgeschlossenes. Häufig wird es gesteigert. Doch perfekt ist ein Ideal und höher hinaus geht’s nimmer … In unserem Sprachschatz hat das Perfekte sich festgesetzt. Da wird ein Geschäft perfekt gemacht oder ein Outfit so definiert. Ein perfektes Dinner scheint es ebenso zu geben, wie den perfekten Ort zum Relaxen. Und heimlich, still und leise wünscht sich manch ein Arbeitnehmer den perfekten Chef. Der gleichnamige Titel aus dem Campus-Verlag ist mitnichten dazu gedacht, Perfektionismus Einzug halten zu lassen in die Chefetagen der Unternehmen. Und doch vielleicht ein bisschen Provokation, ein bisschen Spiegel-Vorhalten, ein bisschen Ironie. Immerhin – „… den größten Kostenblock in Unternehmen verursachen … Führungsfehler!“ Cay von Fournier, Arzt und Unternehmer aus Leidenschaft, Inhaber des renommierten SchmidtColleg, setzt an den Anfang seines Buches exakt 98 Thesen über den perfekten Chef. Er bekennt als erstes, ein perfekter Chef mache Fehler, und behauptet als letztes, er liebe die Menschen und das sei das Wichtigste. Zwischen diesen beiden Thesen liegen Welten, auch perfekte. Und über jede einzelne These ließen sich Romane schreiben. Mindestens darüber, wie unentwegt gegen dieses Perfektsein verstoßen wird. Wenn Führungskräfte eines Unternehmens sich auch nur den Bruchteil dessen einverleiben würden, was Fournier für wichtig hält – unsere Arbeitswelt würde nur so strotzen von Flow. In Wahrheit geht es also um Führung. Und wer führen will, muss sich selbst führen können. Der Autor bietet Checklisten an, die die Sicht auf die eigene Persönlichkeit erleichtern. Und „Werkzeuge“, die Führungsarbeit effektiv machen. Insofern ist besonders der letzte Teil seines Buches ein Handlungsleitfaden, übersichtlich und in der Praxis gut anzuwenden. Fourniers ganzheitlich-ethischer Ansatz spiegelt sich in all seinen Äußerungen. Er ist sich dessen bewusst, dass es perfekte Chefs ebenso wenig gibt, wie perfekte Menschenkinder. Das Streben nach einem Idealzustand, der uns die Bedürfnisse des anderen neben uns bewusster spüren lässt, ist dennoch ein lohnendes Ziel. Kerstin Schulz
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Foto: Campus |