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Bartenbach, Christian; Wittig, Walter: Handbuch für Lichtgestaltung. Lichttechnische und wahrnehmungspsychologische Grundlagen. Springer Verlag Wien, 2009.


Licht für Augentiere

Diese Sommernacht auf einer Insel fernab vom Festland könnte einsamer nicht sein. Kein Laut dringt ans Ohr. Kein Mond scheint. Als hielte die Welt den Atem an. Die Dunkelheit vorm geöffneten Fenster ist so präsent, dass man kaum wagt, die Hand auszustrecken. Überall beunruhigende schwarze Stille ...

Gegen die Dunkelheit der Nacht halfen erst Feuer, dann Kienspäne und Fackeln, Öllampen, Kerzen und Laternen. Schließlich erfanden die Menschen Petroleum-, dann Gaslampen. Mit der Glühlampe veränderten sich die Möglichkeiten künstlicher Beleuchtung endgültig. Sie war um ein Vielfaches heller als alles, was es zuvor an künstlichen Leuchtquellen gegeben hatte. Von nun an konnte man die Nacht sprichwörtlich zum Tag machen. Fragt sich jedoch, wie sinnvoll und effizient? Was ist nötig, um Licht so in unser Leben zu integrieren, dass man seiner Funktion und seinen Möglichkeiten gleichermaßen gerecht wird?

Das „Handbuch für Lichtgestaltung“ aus dem Springer Verlag Wien präsentiert neben den lichttechnischen Aspekten auch wahrnehmungspsychologische Grundlagen des Lichts. Die Autoren Prof. Christian Bartenbach und Dr. Walter Wittig, der eine Gründer, der andere ein Forschungsleiter des Bartenbach LichtLabors, bieten damit hochkomplexes Wissen zum Thema Lichtplanung. Eine Fundgrube für Architekten und Designer, für Mediziner und Psychologen. Damit nicht genug: Jeder, der in irgendeiner Form baut und ausbaut und dabei wahrnehmungspsychologische Aspekte berücksichtigen will oder muss, sollte den Inhalten dieses Buches Aufmerksamkeit schenken.

Denn Licht ist überall. Es wirkt auf Reflexion, Absorption und Transmission aller von seiner Einwirkung betroffenen Materialien. Licht entscheidet darüber, wie wir einen Raum wahrnehmen, seine Tiefe, seine Größe und seinen Behaglichkeitsfaktor. Licht macht Farben sichtbar und Strukturen. Es vermittelt uns eine Vorstellung von dem, was uns umgibt. Licht beeinflusst im Supermarkt unsere Kaufbereitschaft und im Restaurant unsere Lust auf kulinarische Genüsse. Es steuert unsere Orientierungsfähigkeit und unsere Aufnahmefähigkeit für Informationen. Zwischen 80 und 90 Prozent entscheidungs- und verhaltensrelevanter Informationen nehmen wir über das Auge wahr. Der Mensch sei ein Augentier, sagen Psychologen.

Bartenbach und Wittig tragen mit ihrem „Handbuch für Lichtgestaltung“ all diesen Tatsachen Rechnung. Den ersten beiden Kapiteln über lichttechnische und wahrnehmungspsychologische Grundlagen folgen Beiträge über die Wechselwirkung von Licht und Material und ein langes Kapitel über Licht und Raummilieu. Praxisbeispiele geben Auskunft darüber, wie Wände, Fußböden und Möbeloberflächen beschaffen sein müssen. Ein hervorragendes Glossar am Ende des Buches sorgt für Durchblick beim Laien. Wem das nicht genügt, der findet eine umfangreiche ergänzende Literaturauswahl.

Das „Handbuch für Lichtgestaltung“ ist Fachlektüre, die auf den Tisch aller Planer und Einrichter gehört. Als bislang fehlendes Verbindungsglied zweier Spezialgebiete liefert sie darüber hinaus Impulse für den nachhaltigen Umgang mit Beleuchtungssystemen. 3.258 Zeichen

Kerstin Schulz