Gabriele Kögl: Vorstadthimmel. Wallstein Verlag 2011.
Oh Heinrich, der Wagen bricht!
Heinrich ist Zahnarzt und von Perfektion besessen. Er behandelt schmerzfrei. Was ihn nicht davon abhält, dem einen oder anderen in seiner Umgebung die Pest an den Hals zu wünschen. Vornehmlich jenen, die seine vermeintlichen Hoheitsrechte beschneiden. „Porschisten“ z. B. kann er gar nicht leiden. Sie seien das größte Problem auf der Straße und würden sich ständig selbst überschätzen. Heinrich fährt Lamborghini. Er hat keine Ahnung, dass seine Geliebte ihn dafür peinlich findet.
Sex ist Heinrich wichtig. Besonders als Bestandteil seiner PR-Maschinerie. Über die schnelle unverbindliche Nummer rekrutiert er Neupatientinnen. Und die dürfen sich dann in seiner Biedermeier-Praxis besonderer Hinwendung erfreuen. Auf diese Weise hat es Heinrich zu nennenswertem Wohlstand gebracht. Traumauto, Traumgrundstück mit Traumhaus und ein Traumkind fürs vollkommene Glück.
Gabriele Kögl entwirft das Bild eines Selfmade-Mannes, dessen Leben nur scheinbar ein Zuckerschlecken ist. Denn all die Dinge und Menschen, mit denen Heinrich sich umgibt, eignen sich zwar marginal als Seelentröster. Aber im Grunde tritt er wie Falco, der altersschwache Hamster seiner Tochter, immer wieder ins Rad. Auf höchstem Niveau natürlich.
Es ist keine Katastrophe, die sich anbahnt, als die Geliebte schwanger wird. Das echte Drama spielt sich in Heinrich ab, der ein Gefangener seiner eigenen Geschichte bleibt. Romane hält er übrigens für „konstruierten Kinderkram. … Sachbücher, ja, da erfährt man etwas, was jemand gemessen oder gewogen hat, … aber einen Roman? Das schien ihm vergeudete Lebenszeit ...“. Dabei ließe es sich mit diesem hier ganz wunderbar reflektieren!
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