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Eine Praxis-Website kann weit mehr Informationen vermitteln als eine Visitenkarte. Genau genommen alles, was Sie wollen und vor allem, wie Sie es wollen. Texte, Fotos, Videos – alles ist drin. Wie lange die Praxis-Website Ihre Gäste fesselt und welche Informationen dort zu bekommen sind, entscheiden Sie!

Styling für die virtuelle Visitenkarte

Was kann ich tun, um meinen Patientenstamm zu pflegen und möglichst viele Neupatienten zu gewinnen? Eine Frage, die jedem Zahnarzt gewiss vertraut ist. Das Praxis-Image mit der guten alten Visitenkarte zu pflegen, ist auch im Multimediazeitalter noch immer legitim und empfehlenswert – besonders, weil damit gleichzeitig auch die virtuelle Visitenkarte – die Praxispräsentation im Internet – zugänglich gemacht werden kann, die weit mehr Informationen enthält als ihr Papier-Pendant. Hat sich der Patient dann einmal in die Praxis-Website geklickt, gilt es, ihn dort auch zu halten und für die eigene Praxis zu begeistern.

Der Augenblick zählt
Besucher klicken im Durchschnitt drei bis vier Seiten einer Praxis-Website an. Die Verweildauer auf den einzelnen Seiten beträgt wenig mehr als Augenblicke. In 15 Sekunden z. B. verschafft sich der potenzielle Patient einen Überblick über Ihre Leistungen. Magere 5 Sekunden reichen ihm, um das Teamfoto anzusehen. Da wird deutlich: Für das schnelle Medium Internet gilt dasselbe wie für jede erst Begegnung im wahren Leben: Momente entscheiden über Zuneigung oder Ablehnung und in unserem Fall über Gewinn oder Verlust eines Interessenten.

Jede Wirtschaftsbranche hat mit diesem Phänomen zu kämpfen. Die Automobilindustrie überarbeitet regelmäßig ihre Modelle, in Europa derzeit alle zwei bis drei Jahre. So hat Mercedes die neue E-Klasse und Porsche seinen Boxster gestylt. Der amerikanische Markt ist noch kritischer. Man ändert beinahe jährlich. Das Ziel beim Kunden bleibt gleich: Image-Steigerung. Und genau dafür haben Zahnärzte ihre virtuelle Visitenkarte – die Praxis-Website. Die Möglichkeiten, sich darüber zu profilieren und Aufmerksamkeit zu erzeugen, sind hervorragend.

Die Website lernt laufen
Abgesehen von den üblichen Menüpunkten einer Internet-Seite machen ganz spezielle Inhalts- bzw. Gestaltungsvarianten die Web-Präsenz einer Praxis spannend. So können beispielsweise Animationen Bewegung in die Internet-Seite bringen: Statt statischer Menüpunkte könnten diese bei einer Berührung mit dem Mauszeiger aufklappen. Beim Handling einer Website mit Flash-Animationen – so wird diese Technik genannt – gibt es allerdings einiges zu bedenken. Nicht jeder Internet-Nutzer sieht Flash. Das ist davon abhängig, ob auf seinem Rechner ein Flashplayer installiert ist. Auch in puncto Barrierefreiheit – der Zugänglichkeit einer Website für behinderte Nutzer – sind Flah-Animationen mit Vorsicht zu genießen: Screenreader für sehbehinderte Menschen z. B. können Flash-Dateien nicht erstellen.

Es gibt immer eine Lösung
Doch auch wer seine Internet-Seite wirklich jedem zugänglich machen möchte, muss nicht komplett auf Flash-Animationen verzichten. So kann beispielsweise ein statisches Bild anstelle der Flash-Animation zu sehen sein, sollte es mit der Animation nicht klappen. Ein zusätzlicher, beschreibender Text für dieses Bild hilft Sehbehinderten weiter. Richtig kompliziert wird es, wenn Sie Ihre Navigation in den Flash-Bereich integrieren. Ohne Flashplayer kann man auf einer solchen Seite nicht navigieren, wäre da nicht die so genannte Sitemap – eine Art Seitenverzeichnis, das über das Impressum zugänglich ist. Der Besucher der Homepage muss allerdings rumprobieren, um das herauszufinden. Außerdem darf das Impressum immer nur im Flash-freien Teil der Internet-Präsenz untergebracht werden. Eine Flash-Animation ist u. U. also eine Hürde für Gäste Ihrer virtuellen Praxis. Richten Sie Ihre Entscheidungen dafür oder dagegen deshalb nach Ihrer Zielgruppe und deren Bedürfnissen.

Denken Sie global!
Ihre Zielgruppe sollten Sie auch im Auge haben, wenn Sie über eine mehrsprachige Website nachdenken. Bei 2.000 Besuchern Ihrer virtuellen Räume monatlich – durchaus realistisch für eine gute Praxis mit professioneller Homepage – liegt der Anteil fremdsprachiger Patienten im Regelfall unter 5 % und kann damit unberücksichtigt bleiben. Immerhin kostet eine Homepage-Übersetzung pro Seite mindestens 10 €, ganz abgesehen von gelegentlichen Änderungen.

Liegt der Anteil fremdsprachiger Patienten deutlich höher, rechnen sie auch mit der entsprechenden Frequenz auf Ihrer Internet-Seite. Oder noch besser: Sie haben aufgrund Ihrer fachlichen Qualifikationen im Ausland für Aufmerksamkeit gesorgt? Dann sollen Sie sich im Interesse Ihres Images auch mehrsprachig präsentieren. Gibt es im Hinblick auf die Sprache selbst keinerlei Präferenz, ist eine englische Version der Homepage empfehlenswert. Auch eine spanische Variante ist sinnvoll. Selbst wenn Sie die Sprachversionen Ihrer Web-Präsenz erst für einen späteren Zeitpunkt vorsehen, planen Sie sie von Anfang an ein! Das ist in jedem Fall kostengünstiger, als wenn nachprogrammiert wird.

Immer eine Nasenlänge voraus
Eine Möglichkeit, Praxisneuigkeiten an den Mann oder die Frau zu bringen, ist der Newsletter. Doch nicht immer ist ein Newsletter wirklich sinnvoll. Prüfen Sie zuvor Ihre persönliche Einstellung zu Newslettern: Lesen die Newsletter, die Sie selbst bekommen? Was mögen Sie und was stört Sie an Newslettern? Wie wollen sie Spannung in Ihre Texte bringen? Wer schreibt den Newsletter und wie häufig soll er erscheinen? Die Erfahrung zeigt, dass in der Anfangseuphorie ausreichend Stoff für einen solchen virtuellen Infobrief vorrätig ist. Doch bald fehlen Ideen, Zeit und Energie. Nutzen Sie noch andere Medien, um Ihre Patienten zu informieren? Kalkulieren Sie den Zeitaufwand, der für das Informationsmanagement Ihrer Praxis entstehen würde. Außerdem ist die Reichweite von Newslettern beschränkter als vielen bewusst ist, denn Newsletter dürfen nur an denjenigen versendet werden, der dem auch zugestimmt hat. Im schlimmsten Fall ist dies vielleicht nur eine Handvoll Leute.

News müssen neu sein
Um aktuelle Informationen über die Praxis-Website weiterzugeben, können Sie eine News-Seite einrichten – aber nur dann, wenn Sie sicher sind, dass Sie regelmäßig etwas zu sagen haben. News sind schnelllebig. Sie müssen permanent auf dem aktuellen Stand sein. Oder lesen Sie gern die Zeitung von vorgestern?

News lassen sich splitten – in solche aus der Praxis und solche aus dem zahnmedizinischen Bereich. In den „Praxis-News“ sind Hinweise zu Ihrer letzten Fortbildung ebenso gut aufgehoben, wie Neuigkeiten aus dem Team, Fotos des letzten Events, Infos zu Praxisurlaub und Vertretung, Ihr Engagement als Sponsor oder Ihre Patientenzeitung. Selbst über neues Praxisequipment können Sie berichten. In den „Praxis-News“ steckt das größte Marketing-Potenzial Ihrer Website überhaupt. Mit diesem Punkt können Sie sich hervorragend profilieren – unter einer Voraussetzung: Bleiben Sie aktuell, dann sind Sie glaubwürdig.

Analyse und mehr
Hilfreich ist es, die Besucher der eigenen Website im Blick zu haben. Zu diesem Zweck gibt es Analyseprogramme, die Auskunft darüber geben, wer die Besucher Ihrer virtuellen Praxis sind und wofür sie sich interessieren. Sie können damit auch leichter entscheiden, welche Praxisneuigkeiten für Patienten relevant sind.

Sie wollen noch mehr ausgefallene Dinge in Ihrer Website integrieren? Kein Problem! Kreieren Sie Sound für Ihre Homepage, aber denken Sie unbedingt an den Sound-Off-Button. Bieten Sie Ihren Stammpatienten ein Log-in, lassen Sie einen Newsticker durchs Bild laufen oder halten sie Formulare zum Download bereit. Möglich ist alles, Grenzen setzen letztendlich nur Sie selbst. Behalten Sie jedoch im Hinterkopf, dass manche dieser Dinge wie z. B. Flash-Animationen auch Barrieren darstellen können. Im Prinzip aber gilt: solange Sie Spaß haben an Ihrer Homepage, hält die Neugier Ihre Gäste in Bewegung.

Kerstin Schulz
erschienen in dent-online 4/2006