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A. Schweickhardt / K. Fritzsche: Kursbuch ärztliche Kommunikation. Grundlagen und Fallbeispiele aus Klinik und Praxis. Deutscher Ärzteverlag 2007

Win-Win für Arzt und Patient

Arztbesuche sind gelegentlich ein echtes Ärgernis. Lange Wartezeiten, dann eine Untersuchung, die den Kern unseres Anliegens kaum trifft, und ein Gespräch mit dem Arzt, aus dem man nicht schlau wird. Fazit: Therapien werden abgelehnt, verschriebene Medikamente gar nicht oder in falscher Dosierung angewendet. Arzthopping nimmt seinen Lauf. Vielleicht gibt’s woanders eine andere Diagnose… Wir haben also alle auf dieses Buch gewartet: Ärzte und Zahnärzte ebenso wie Patienten. Ein Buch, das die Kommunikation in den Vordergrund rückt. Ein Kursbuch mit Fallbeispielen, wie sie sich täglich in Gesprächen zwischen Arzt und Patient ergeben. Dabei ist jeder sicher, sich verständlich artikulieren zu können. Personalverantwortliche  treffen täglich auf Bewerber, die von ihrer Kommunikationsfähigkeit überzeugt sind. Viele glauben, gesellig zu sein und miteinander reden zu können, wäre in etwa dasselbe. Nur gehört sehr viel mehr dazu, als die Kunst des Small Talks zu beherrschen …

In der vorliegenden Publikation des Deutschen Ärzte Verlages haben zwei Spezialisten für ärztliche Gesprächsführung ihre langjährigen Erfahrungen analysiert, ausgewertet und nachvollziehbar aufbereitet. Befragungen stellen eindrucksvoll dar, wie sehr die Kommunikation die tägliche Arbeit eines Mediziners tangiert. So weiß man, dass bereits 70 % aller Diagnosen nach einem Anamnesegespräch richtig gestellt werden. Dennoch unterbricht der Arzt die Symptomschilderung des Patienten nach durchschnittlich 18 Sekunden, stellt ihm Fragen, die nur ein Ja oder Nein zulassen, und geht überhaupt recht unstrukturiert vor. In einer Befragung aus 2002 gaben 40 % der Ärzte eigene Defizite bei der Kommunikation zu. Setzt man diese Aussage in Relation zu den Erfolgsaussichten einer Therapie nach einem guten Anamnesegespräch, erkennt man die Relevanz dafür, den Focus auf die Verbesserung ärztlicher Gesprächsführung zu richten. Das Schlüsselwort der Autoren heißt „patientenzentrierte Medizin“.

Schweickhardt und Fritzsche machen sich nicht nur Gedanken über Kommunikation, sondern auch über die Aufbereitung dieses Lehrstoffes, den sie seit Jahren in ihren Seminaren vermitteln. So ist das „Kursbuch ärztliche Kommunikation“ in mehrere Kapitel gegliedert, denen jeweils Lernziele, Vorteile und Nutzen sowie Anwendungsbereiche vorangestellt sind. Die Kapitel enden mit Hinweisen auf häufige Fehler und Übungsbeispielen. Zielgruppe des Buches sind vorrangig Ärzte. Vom Anamnesegespräch bis zum Umgang mit suizidalen Patienten finden sie eine Vielzahl von Kommunikationshilfen für die tägliche Praxis. Aufgrund eines hervorragend strukturierten Inhaltsverzeichnisses und umfangreicher Basisinformationen über Gesprächsführung mit Patienten ist diese Publikation auch für Zahnärzte ein spannendes Kompendium. Zumal die beiden letzten der 6 Kapitel auf praxisinterne Kommunikationsprozesse eingehen. Gewinner sind in jedem Fall alle: Ärzte, Zahnärzte und Patienten. Denn Kommunikation hat das gute Gefühl zum Ziel. Das gute Gefühl, verstanden zu werden. Damit uns nicht dasselbe wiederfährt, wie einem kleinen Jungen, der sich darüber beklagte, dass sein englischsprachiger Freund ihn nicht verstehen konnte, obwohl er doch „gaaaanz deutlich“ sprach. So kann’s eben gehen, wenn man sich in einem Kommunikationsprozess zweier völlig verschiedener Sprachen bedient.

Kerstin Schulz

 

Arzt Kommunikation Praxis Klinik Krankenhaus

Quelle: Ärzte Verlag